top of page
  • Youtube
  • TikTok
  • Facebook
  • Instagram

Wer entscheidet eigentlich, wessen Geschichte erzählt wird?

vor 1 Stunde
17 Min. Lesezeit

Über Menschen, die Geschichte geschrieben haben, Menschen, über die Geschichte geschrieben wurde, und diejenigen, die darin kaum vorkommen, obwohl sie die meiste Arbeit erledigt haben.

Was das Buch nicht erzählt. Aber nicht vergessen hat.Teil 3 von 3


Stellen wir uns vor, jemand würde in zweitausend Jahren versuchen, unsere heutige Gesellschaft zu verstehen.

Die Voraussetzungen wären vermutlich gar nicht schlecht. Wir hinterlassen schließlich eine beachtliche Menge an Informationen. Wir schreiben Bücher, veröffentlichen Zeitungsartikel, dokumentieren politische Entscheidungen, führen Statistiken und speichern Fotos von Dingen, die wir gegessen haben. Wir besitzen eine bemerkenswerte Fähigkeit, selbst ausgesprochen belanglose Ereignisse für die Nachwelt festzuhalten. Allein die Anzahl der Aufnahmen, auf denen Menschen neben einem Teller Nudeln sitzen, dürfte zukünftige Historiker vor erhebliche Herausforderungen stellen.


Trotzdem wäre die Frage interessant, welches Bild diese Menschen von uns gewinnen würden.

Würden sie unsere Gesellschaft anhand politischer Reden beurteilen? Anhand wissenschaftlicher Veröffentlichungen? Oder anhand der Kommentare unter einem Video, in dem jemand erklärt, wie man eine Spülmaschine richtig einräumt?


Letzteres könnte zu dem Schluss führen, dass die Menschheit über erstaunliche technische Möglichkeiten verfügte, gleichzeitig aber an der Frage zu scheitern drohte, ob Tassen mit der Öffnung nach unten gehören.

Und das wäre nicht einmal vollständig falsch.

Es wäre nur ein ziemlich einseitiges Bild.


Denn selbst wenn sehr viele Informationen erhalten bleiben, bedeutet das noch lange nicht, dass sie unsere Gesellschaft vollständig abbilden.


Manche Menschen veröffentlichen mehr als andere. Manche besitzen größere Reichweiten. Manche haben Zugang zu Institutionen, die ihre Aussagen dauerhaft dokumentieren. Andere verbringen ihr Leben damit, Dinge zu tun, die für das Funktionieren einer Gesellschaft unverzichtbar sind, aber selten in offiziellen Aufzeichnungen auftauchen.

Und irgendwann entsteht aus dem, was erhalten geblieben ist, das, was spätere Generationen über uns wissen können.


Das führt zu einer Frage, die mich beim Schreiben von Das vierte Kamel immer wieder beschäftigt hat:

Wer entscheidet eigentlich, wessen Geschichte erzählt wird?


Die naheliegende Antwort wäre: diejenigen, die Geschichte schreiben.

Nur ist die Sache leider etwas komplizierter.

Denn bevor jemand Geschichte schreiben kann, muss überhaupt etwas übrig geblieben sein, worüber sich schreiben lässt.

Und das ist keineswegs selbstverständlich.



Geschichte ist nicht dasselbe wie Vergangenheit


Wenn wir über Geschichte sprechen, verwenden wir das Wort häufig so, als wäre damit die Vergangenheit selbst gemeint.

Das klingt zunächst logisch.

Was früher passiert ist, gehört zur Geschichte.


Allerdings unterscheiden Historikerinnen und Historiker zwischen vergangenen Ereignissen und unserem Wissen über diese Ereignisse.


Die Vergangenheit umfasst alles, was geschehen ist. Geschichte im Sinne historischer Forschung entsteht dagegen aus dem Versuch, vergangene Ereignisse anhand überlieferter Spuren zu untersuchen, zu rekonstruieren und einzuordnen.

Das klingt nach einer akademischen Spitzfindigkeit.

Ist aber ein ziemlich grundlegender Unterschied.

Denn die Vergangenheit war vollständig, während sie stattfand.

Menschen wurden geboren, gingen arbeiten, verliebten sich, stritten, trafen Entscheidungen, wurden krank, freuten sich, litten und starben.

Nur wurde nicht alles davon dokumentiert.

Und von dem, was dokumentiert wurde, blieb wiederum nicht alles erhalten.

Manche Aufzeichnungen wurden absichtlich vernichtet. Andere gingen durch Kriege, Brände, Überschwemmungen oder schlicht durch die Vergänglichkeit des verwendeten Materials verloren.

Einige Dokumente überstanden Jahrhunderte, weil sie in Archiven aufbewahrt wurden.

Andere überlebten, weil sie zufällig an einem Ort lagen, an dem niemand sie wegwarf.

Die Vergangenheit war also sehr viel umfangreicher als die Informationen, die uns heute darüber zur Verfügung stehen.

Das klingt selbstverständlich.

Trotzdem behandeln wir historische Darstellungen gelegentlich so, als würden sie uns zeigen, was damals insgesamt geschehen ist.

Dabei zeigen sie zunächst, was sich aus den verfügbaren Quellen erschließen lässt.

Und manchmal ist das erschreckend wenig.



Wer schreiben konnte, hatte bessere Chancen


Wenn wir uns mit antiken Gesellschaften beschäftigen, stoßen wir schnell auf ein grundlegendes Problem.

Nicht jeder Mensch konnte schreiben.

Und nicht jeder, der schreiben konnte, hatte dieselben Möglichkeiten, Texte zu verfassen, verbreiten zu lassen oder dauerhaft aufzubewahren.


Schriftlichkeit war in vielen historischen Gesellschaften ungleich verteilt. Bildung, sozialer Status, Beruf, wirtschaftliche Möglichkeiten und die Zugehörigkeit zu bestimmten Institutionen beeinflussten, wer schriftliche Zeugnisse hinterlassen konnte.

Das bedeutet nicht, dass ausschließlich wohlhabende Männer lesen und schreiben konnten.

Eine solche Behauptung wäre historisch zu pauschal.

Auch Frauen, Angehörige weniger privilegierter Gruppen und Menschen in unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen konnten über Schriftkenntnisse verfügen. Die Verhältnisse unterschieden sich je nach Region, Zeit und sozialem Umfeld erheblich.

Trotzdem waren die Voraussetzungen nicht gleich.

Und wer keinen Zugang zu schriftlicher Dokumentation hatte, musste darauf hoffen, dass andere Menschen etwas über ihn festhielten.

Das konnte funktionieren.

Es konnte aber auch dazu führen, dass ein Mensch in der Überlieferung nur deshalb auftauchte, weil er für die Angelegenheiten eines anderen Menschen wichtig wurde.


Ein Herrscher ließ seine Erfolge dokumentieren.

Ein Verwaltungsbeamter hielt Abgaben fest.

Ein wohlhabender Bürger ließ eine Inschrift anfertigen.

Ein religiöser Autor schrieb über Ereignisse, die für seine Gemeinschaft bedeutsam waren.


Die Menschen, die Lebensmittel anbauten, Kleidung herstellten, Kinder versorgten, Häuser reinigten oder alltägliche Arbeiten verrichteten, erscheinen in solchen Quellen häufig nur am Rande.

Nicht unbedingt, weil niemand ihre Arbeit für wichtig hielt.

Sondern weil die erhaltenen Texte aus anderen Gründen entstanden.

Ein Steuerverzeichnis möchte wissen, wer etwas schuldet.

Es interessiert sich gewöhnlich weniger dafür, ob die betreffende Person glücklich verheiratet ist oder morgens grundsätzlich schlechte Laune hat.

Das wäre für die historische Forschung heute durchaus interessant.

Für die damalige Verwaltung vermutlich weniger.



Was ein Dokument erzählt und was es verschweigt


Nehmen wir an, wir finden ein zweitausend Jahre altes Dokument, in dem die Lieferung von Getreide festgehalten wurde.

Wir erfahren vielleicht, wie viel geliefert wurde, an wen die Lieferung ging und welchen wirtschaftlichen Wert sie hatte.

Das ist eine wertvolle historische Quelle.

Aber wir erfahren dadurch nicht automatisch, wer das Getreide angebaut hat, wie anstrengend die Arbeit war oder welche Sorgen die beteiligten Menschen beschäftigten.

Vielleicht lassen sich solche Fragen durch weitere Quellen beantworten.

Vielleicht auch nicht.

Ein Dokument enthält Informationen.

Es enthält aber nicht zwangsläufig diejenigen Informationen, die wir heute gern hätten. Das gilt besonders für Texte, die ursprünglich gar nicht dafür gedacht waren, späteren Generationen einen umfassenden Einblick in das Leben ihrer Verfasser zu ermöglichen.

Ein privater Brief kann beiläufig mehr über den Alltag verraten als eine offizielle Inschrift.

Ein Einkaufszettel kann für die Sozialgeschichte interessant sein.

Und eine Beschwerde über schlechte Waren kann uns unter Umständen näher an das tatsächliche Leben vergangener Menschen bringen als eine feierliche Rede über die Größe eines Herrschers.

Letztere besitzt allerdings häufig die besseren Chancen, auf einem Denkmal zu landen.

Ein Problem, das sich bis heute nicht vollständig erledigt hat.

Menschen lassen sich ausgesprochen gern für ihre Leistungen würdigen.

Für das regelmäßige Reinigen einer Küche wurde meines Wissens dagegen noch niemand mit einem Reiterstandbild geehrt.

Dabei ließe sich darüber diskutieren, welche Tätigkeit für das unmittelbare Zusammenleben tatsächlich wichtiger ist.



Frauen waren nicht unsichtbar. Ihre Überlieferung ist nur ungleich verteilt.


Wenn es um fehlende Stimmen in der Geschichte geht, wird häufig darauf verwiesen, dass Frauen über lange Zeit aus historischen Darstellungen ausgeschlossen worden seien.

Daran ist etwas richtig.

Allerdings lohnt sich auch hier eine genauere Betrachtung.


Frauen waren selbstverständlich Teil historischer Gesellschaften. Sie arbeiteten, handelten, besaßen unter bestimmten rechtlichen Bedingungen Eigentum, übernahmen religiöse Funktionen, beeinflussten politische Entscheidungen und gestalteten das Leben ihrer Gemeinschaften.


Ihre Möglichkeiten unterschieden sich je nach Epoche, Region, sozialem Status und rechtlichem Umfeld erheblich.

Es wäre deshalb falsch, sämtliche Frauen der Antike oder des Mittelalters als grundsätzlich handlungsunfähige Personen darzustellen, die ausschließlich darauf warteten, dass ein Mann ihnen erklärte, was als Nächstes zu tun sei.

Die historische Wirklichkeit war komplexer. Ebenso falsch wäre es allerdings, aus einzelnen gut dokumentierten Frauen zu schließen, dass die gesellschaftlichen Möglichkeiten insgesamt gleich verteilt gewesen seien.


Wir kennen beispielsweise Herrscherinnen, wohlhabende Stifterinnen, Schriftstellerinnen und religiöse Autorinnen.

Das beweist, dass Frauen historische Handlungsmöglichkeiten besaßen. Es sagt aber noch wenig darüber aus, wie diese Möglichkeiten für Frauen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen verteilt waren.

Und genau hier entsteht ein Problem für die Geschichtsschreibung.


Über Menschen mit politischer Macht, Besitz oder besonderer gesellschaftlicher Stellung sind häufig mehr Quellen erhalten als über diejenigen, deren Leben sich überwiegend außerhalb solcher Institutionen abspielte.

Die Perspektive einer wohlhabenden Frau lässt sich deshalb unter Umständen besser rekonstruieren als die einer Frau, die unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen arbeitete.

Nicht weil die eine ein bedeutenderes Leben geführt hätte.

Sondern weil ihre Lebensumstände andere Möglichkeiten hinterließen, Spuren zu bewahren.

Geschichte ist in dieser Hinsicht nicht unbedingt gerecht.

Sie ist zunächst einmal abhängig davon, was sich überliefert hat.

Und Überlieferung richtet sich nicht nach der Frage, wer eine spätere Erwähnung besonders verdient hätte.



Eine Frau, die jeder kennt und über die wir erstaunlich wenig wissen


Damit kommen wir zurück zu Maria.

Im ersten Beitrag unserer Reihe haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was wir über die historische Maria von Nazareth tatsächlich wissen können.

Das Ergebnis war bemerkenswert.

Wir kennen sie als eine der bekanntesten Frauenfiguren der Weltgeschichte.

Wir begegnen ihr in religiösen Texten, in Kunstwerken, in Kirchen, in Gebeten und in jahrhundertealten Traditionen.

Aber wir wissen nicht zuverlässig, wie alt sie bei der Geburt Jesu war.

Wir kennen ihr Aussehen nicht.

Wir besitzen keine erhaltenen Briefe von ihr.

Und wir verfügen über keine unabhängige ausführliche Lebensbeschreibung aus ihrer eigenen Zeit.

Die frühesten christlichen Texte interessieren sich vor allem für Jesus und die Bedeutung, die ihm innerhalb der entstehenden christlichen Bewegung zugeschrieben wurde.

Maria erscheint darin in unterschiedlichen Zusammenhängen.

Manchmal erhält sie eine wichtige erzählerische Rolle.

Manchmal wird sie lediglich erwähnt.


Im Lukasevangelium spricht sie beispielsweise im Magnificat, einem religiösen Lobgesang, der gesellschaftliche Umkehrungen thematisiert. Das bedeutet aber nicht, dass wir ihre tatsächlichen Worte unabhängig überprüfen könnten. Die Texte wurden Jahrzehnte nach den beschriebenen Ereignissen verfasst und verfolgen eigene religiöse und literarische Anliegen.


Wir begegnen Maria also durch Überlieferungen, die andere Menschen über sie festgehalten haben.

Das ist für eine historische Person keineswegs ungewöhnlich. Interessant ist allerdings das Ausmaß des Unterschieds zwischen ihrer späteren Bedeutung und unserer Kenntnis ihres persönlichen Lebens.

Wir wissen sehr viel darüber, wie Maria über Jahrhunderte dargestellt wurde.

Wir wissen erheblich weniger darüber, wie sie selbst ihre Welt erlebt hat.

Und genau dieser Unterschied führt zu einer grundsätzlichen Frage.


Was passiert mit der Geschichte eines Menschen, wenn andere Menschen fast ausschließlich darüber bestimmen, was von ihm erzählt wird?



Auch die Geschichtsschreibung hat eine Geschichte


Wer entscheidet, welche Ereignisse in Geschichtsbüchern vorkommen?

Darauf gibt es keine einzelne Antwort.


Historische Darstellungen entstehen innerhalb wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Zusammenhänge.

Forschende entscheiden, welche Fragen sie untersuchen. Sie wählen Quellen aus, bewerten deren Aussagekraft und entwickeln daraus begründete Interpretationen.

Dabei gelten wissenschaftliche Anforderungen.

Behauptungen müssen nachvollziehbar sein.

Quellen müssen kritisch geprüft werden.

Unterschiedliche Deutungen müssen sich mit den vorhandenen Belegen auseinandersetzen.

Geschichtsschreibung ist deshalb nicht einfach eine beliebige Sammlung persönlicher Meinungen.

Aber sie ist auch kein vollständig automatischer Vorgang, bei dem man sämtliche historischen Dokumente in eine Maschine legt und am Ende die einzig mögliche Darstellung der Vergangenheit erhält.

Schon die Entscheidung, welche Frage untersucht wird, beeinflusst, welche Quellen relevant werden.

Wer die politischen Entscheidungen eines Herrschers erforscht, wird andere Dokumente benötigen als jemand, der sich mit den Lebensbedingungen von Kindern beschäftigt.

Wer Handelsbeziehungen untersucht, stellt andere Fragen als jemand, der wissen möchte, wie Menschen mit Krankheit, Armut oder familiären Verpflichtungen umgingen.

Die Quellen können dieselben sein.

Die Perspektive verändert sich.

Und mit ihr das Bild, das wir von einer vergangenen Gesellschaft gewinnen.

Das ist kein grundsätzliches Problem wissenschaftlicher Forschung.

Im Gegenteil.

Neue Fragen können dazu führen, dass bekannte Quellen anders untersucht und bislang wenig beachtete Zeugnisse überhaupt erst interessant werden.

Geschichtsschreibung entwickelt sich deshalb weiter.

Nicht unbedingt, weil frühere Generationen grundsätzlich unfähig gewesen wären, Geschichte zu erforschen.

Sondern weil sich Fragestellungen, Methoden und verfügbare Quellen verändern.



Die Geschichte der Menschen, die nicht regiert haben


Lange Zeit standen in vielen historischen Darstellungen politische Ereignisse, Kriege, Herrscher und staatliche Entwicklungen besonders stark im Mittelpunkt.

Das hatte unterschiedliche Gründe.


Politische Entscheidungen hinterließen häufig umfangreiche schriftliche Überlieferungen.

Staatliche Archive bewahrten Dokumente auf.

Herrscher ließen ihre Leistungen darstellen.

Und politische Geschichte galt in vielen wissenschaftlichen Traditionen als besonders bedeutsam.

Das bedeutet nicht, dass sich frühere Historiker ausschließlich für Könige und Schlachten interessierten.

Aber die Gewichtung historischer Themen war keineswegs immer dieselbe wie heute.


Im 20. Jahrhundert gewannen unter anderem Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Frauengeschichte und später geschlechtergeschichtliche Ansätze zunehmend an Bedeutung.

Sie stellten Fragen, die in älteren Darstellungen häufig weniger Aufmerksamkeit erhalten hatten.

Wie lebten Menschen, die keine politische Macht besaßen?

Wie arbeiteten sie?

Wie organisierten Familien ihren Alltag?

Welche Rolle spielten wirtschaftliche Bedingungen, gesellschaftliche Erwartungen und soziale Beziehungen?

Wie veränderten sich Lebensmöglichkeiten für unterschiedliche Gruppen?


Die britische Geschichtswissenschaft prägte dafür unter anderem den Ausdruck history from below, also Geschichte von unten. Ein bekannter Vertreter war der Historiker E. P. Thompson. In seinem 1963 erschienenen Werk The Making of the English Working Class untersuchte er die Entstehung der englischen Arbeiterklasse und betonte die Erfahrungen und Handlungen von Menschen, die in traditionellen politischen Geschichtsdarstellungen häufig weniger Raum erhielten.


Auch der Historiker Raphael Samuel trug zur Entwicklung entsprechender Ansätze bei. Der Gedanke dahinter ist keineswegs, dass politische Geschichte unwichtig wäre. Sondern dass eine Gesellschaft nicht ausschließlich aus den Menschen besteht, die sie offiziell regieren.

Das erscheint selbstverständlich. Trotzdem hat es erstaunlich lange gedauert, bis bestimmte Alltagsfragen in der Geschichtswissenschaft systematisch größere Aufmerksamkeit erhielten.


Vielleicht liegt das auch daran, dass sich ein Krieg leichter mit einem Datum versehen lässt als die Frage, wie sich die Arbeitsteilung innerhalb einer Familie über mehrere Generationen verändert hat.

Für Letzteres braucht man häufig erheblich mehr Geduld.

Und bekommt am Ende nicht einmal eine Schlachtkarte.



Was wir aus alten Einkaufslisten lernen können


Besonders faszinierend finde ich, dass historische Forschung manchmal gerade dort interessante Erkenntnisse gewinnt, wo Menschen ursprünglich überhaupt nichts Bedeutendes dokumentieren wollten.

Ein berühmtes Beispiel sind die Papyri aus dem griechisch-römischen Ägypten.


In Ägypten haben sich aufgrund besonderer klimatischer Bedingungen zahlreiche antike Schriftstücke erhalten.

Darunter befinden sich nicht nur literarische oder religiöse Texte, sondern auch Briefe, Verträge, Quittungen, Verwaltungsunterlagen und alltägliche Notizen. Solche Dokumente ermöglichen Einblicke in wirtschaftliche Beziehungen, familiäre Angelegenheiten und alltägliche Herausforderungen. Nicht jeder dieser Texte ist spektakulär.

Manche beschäftigen sich mit Angelegenheiten, die bereits damals vermutlich niemand außerhalb des unmittelbaren Umfelds besonders aufregend fand.

Gerade das macht sie interessant.

Denn offizielle Darstellungen möchten häufig etwas Bestimmtes vermitteln.

Ein privater Brief dagegen kann beiläufig Informationen enthalten, die für spätere Historikerinnen und Historiker ausgesprochen wertvoll werden. Natürlich muss auch ein solcher Brief kritisch eingeordnet werden. Nicht jeder Mensch beschreibt seine Lebensumstände vollständig oder zuverlässig. Und ein einzelnes Dokument erlaubt keine allgemeingültigen Aussagen über eine gesamte Gesellschaft. Aber viele unterschiedliche Zeugnisse können gemeinsam ein differenzierteres Bild ermöglichen. Das zeigt, wie wichtig die Vielfalt historischer Quellen ist. Manchmal erfahren wir über den Alltag einer Gesellschaft mehr aus einer gewöhnlichen Beschwerde als aus einer feierlichen Rede. Was möglicherweise auch daran liegt, dass Menschen bei Beschwerden gelegentlich erstaunlich konkret werden. Besonders dann, wenn sie der Meinung sind, zu viel bezahlt zu haben.

Ein Gefühl, das offenbar keine moderne Erfindung ist.



Schweigen ist nicht automatisch ein Beweis


Wenn wir über Menschen sprechen, deren Perspektiven kaum überliefert wurden, entsteht allerdings eine Schwierigkeit. Wir müssen aufpassen, dass wir das Schweigen der Quellen nicht mit eigenen Vorstellungen füllen und diese anschließend als historische Erkenntnisse präsentieren.

Nehmen wir an, wir finden keine schriftlichen Aussagen einer bestimmten Frau über ihre Ehe.

Daraus können wir nicht automatisch schließen, dass sie glücklich war.

Wir können aber auch nicht automatisch schließen, dass sie unglücklich war.

Wir wissen es schlicht nicht.

Ebenso wenig lässt sich aus fehlenden schriftlichen Zeugnissen ableiten, dass Menschen keine eigenen Ansichten besaßen oder gesellschaftlich bedeutungslos waren.

Das Fehlen einer Quelle ist zunächst einmal das Fehlen einer Quelle.

Es kann unterschiedliche Gründe haben.

Vielleicht wurde nie etwas aufgeschrieben.

Vielleicht ist eine Aufzeichnung verloren gegangen.

Vielleicht wurde sie nicht aufbewahrt.

Vielleicht existiert sie sogar noch, wurde aber bislang nicht entdeckt oder richtig eingeordnet.

Historische Forschung muss solche Möglichkeiten berücksichtigen.

Das bedeutet nicht, dass jede denkbare Erklärung gleich wahrscheinlich wäre.

Man kann historische Zusammenhänge untersuchen und begründete Einschätzungen entwickeln.

Aber eine plausible Vorstellung ist noch kein Nachweis für das individuelle Leben eines bestimmten Menschen.

Genau diese Grenze hat uns bereits im ersten Artikel über Maria beschäftigt.

Wir können die Lebensbedingungen jüdischer Frauen im Galiläa des ersten Jahrhunderts untersuchen.

Wir können gesellschaftliche Erwartungen und rechtliche Rahmenbedingungen einordnen.

Aber wir können daraus nicht einfach Marias persönliche Gedanken rekonstruieren.

Dafür fehlen uns die entsprechenden Zeugnisse.

Und manchmal besteht die wissenschaftlich sauberste Antwort tatsächlich aus drei Wörtern:

Wir wissen es nicht.

Das ist unbefriedigend.

Aber historisch ausgesprochen anständig.



Wer darf eigentlich für andere sprechen?


Die Frage nach fehlenden Stimmen betrifft nicht nur historische Forschung.

Sie berührt auch unseren heutigen Umgang mit Menschen.

Wir erzählen ständig Geschichten über andere.

Wir beschreiben, weshalb jemand eine Entscheidung getroffen hat.

Wir erklären, was eine bestimmte Person vermutlich gedacht hat.

Wir ordnen Verhalten ein und entwickeln daraus Vorstellungen über Charakter, Absichten und Motive.

Das geschieht häufig, ohne dass wir es besonders bemerken.

Jemand kündigt seine Arbeitsstelle.

Ein anderer erklärt, dass er mit Verantwortung nicht umgehen konnte.

Vielleicht stimmt das.

Vielleicht hat die Person aber auch gekündigt, weil die Arbeitsbedingungen schlecht waren, weil sie eine andere berufliche Perspektive gefunden hat oder weil sie schlicht keine Lust mehr hatte, jeden Montag an einer Besprechung teilzunehmen, deren Ergebnisse bereits am Freitag zuvor per E-Mail verschickt worden waren.

Wir kennen die Gründe nicht unbedingt.

Trotzdem besitzen wir häufig erstaunlich schnell eine Erklärung.

Und sobald diese Erklärung weitererzählt wird, kann sie sich verselbstständigen.

Andere Menschen übernehmen sie.

Vielleicht wird sie noch ein wenig ergänzt.

Und irgendwann ist aus einer Vermutung eine Geschichte geworden, die innerhalb einer Gruppe als selbstverständlich gilt. Im zweiten Beitrag unserer Reihe haben wir uns damit beschäftigt, wie Wiederholung die wahrgenommene Glaubwürdigkeit von Aussagen beeinflussen kann.

Hier kommt eine weitere Frage hinzu.


Wer hatte ursprünglich überhaupt die Möglichkeit, seine eigene Version zu erzählen?

Und wer musste damit leben, dass andere Menschen seine Geschichte erklärten?

Natürlich ist das nicht mit der Überlieferung antiker Texte gleichzusetzen.

Aber es zeigt, dass die Frage nach Perspektiven keineswegs ausschließlich historisch ist.

Auch heute entscheiden gesellschaftliche Positionen, institutionelle Möglichkeiten und persönliche Beziehungen mit darüber, welche Aussagen gehört werden.

Nicht jeder Mensch verfügt über dieselbe Reichweite.

Und nicht jede Perspektive erhält dieselbe Aufmerksamkeit.



Sichtbarkeit ist nicht dasselbe wie Bedeutung


Vielleicht liegt hier einer der größten Denkfehler im Umgang mit Geschichte.

Wir neigen dazu, Menschen, über die viel überliefert wurde, für besonders bedeutend zu halten.

Und Menschen, über die wenig bekannt ist, erscheinen uns entsprechend weniger wichtig.

Dabei sagt die Menge erhaltener Informationen zunächst einmal etwas über die Überlieferung aus.

Nicht automatisch über den Wert eines Lebens.

Ein Herrscher konnte umfangreiche Inschriften hinterlassen.

Eine Frau, die über Jahrzehnte ihre Familie versorgte, vielleicht keine einzige.

Das bedeutet nicht, dass der Herrscher für seine Umgebung zwangsläufig wichtiger war als diese Frau für die Menschen, mit denen sie lebte. Es bedeutet nur, dass seine Handlungen unter Umständen andere schriftliche Spuren hinterließen. Historische Bedeutung lässt sich ohnehin nicht ausschließlich daran messen, wie viele Menschen später einen Namen kennen. Gesellschaften funktionieren durch unzählige Tätigkeiten, Beziehungen und Entscheidungen.

Die meisten davon werden niemals Gegenstand einer Biografie.

Und das ist vielleicht auch gut so.


Ich persönlich würde jedenfalls nicht unbedingt wollen, dass in zweitausend Jahren jemand meine Einkaufslisten untersucht und daraus Rückschlüsse auf meine charakterlichen Eigenschaften zieht.

Wobei die Menge an Kaffee vermutlich Fragen aufwerfen würde.

Andererseits wäre es möglicherweise ein erstaunlich zutreffender Ausgangspunkt.



Warum das für unsere Gegenwart wichtig ist


Wir leben heute unter völlig anderen technischen Voraussetzungen als die Menschen der Antike.

Sehr viele Menschen können eigene Texte, Bilder und Videos veröffentlichen.

Digitale Plattformen ermöglichen eine Sichtbarkeit, die früher nur wenigen Personen offenstand.

Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Stimmen gleichermaßen wahrgenommen werden.

Reichweite ist ungleich verteilt.

Öffentliche Aufmerksamkeit folgt unterschiedlichen Mechanismen.

Und auch digitale Informationen bleiben nicht automatisch dauerhaft erhalten.

Plattformen verschwinden.

Dateiformate verändern sich.

Inhalte werden gelöscht.

Konten gehen verloren.

Was heute ständig verfügbar erscheint, kann in einigen Jahrzehnten bereits schwer zugänglich sein.


Hinzu kommt ein weiteres Problem.

Die Menge der vorhandenen Informationen ist so groß, dass Auswahl unvermeidlich wird.

Wer entscheidet künftig, welche digitalen Zeugnisse archiviert werden?

Welche Beiträge gelten als gesellschaftlich relevant?

Welche Inhalte werden erhalten, und welche verschwinden?

Auch diese Fragen gehören zur Geschichte unserer Gegenwart.

Vielleicht werden zukünftige Historikerinnen und Historiker über unsere Gesellschaft einmal sehr viel wissen.

Vielleicht werden sie aber auch vor einer gewaltigen Menge unvollständiger, widersprüchlicher und schlecht einzuordnender Informationen sitzen. Und sich fragen, weshalb wir einerseits jede Mahlzeit fotografiert haben, andererseits aber offenbar große Schwierigkeiten hatten, grundlegende gesellschaftliche Probleme zu lösen.

Das wäre zumindest eine nachvollziehbare Irritation.



Eine Stimme, die wir nicht zurückholen können


Beim Schreiben von Das vierte Kamel stand irgendwann eine einfache Überlegung im Raum.

Was wäre, wenn Maria ihre Geschichte selbst kommentieren könnte?

Nicht die historische Maria, deren tatsächliche Gedanken wir nicht kennen.

Sondern eine literarische Figur, die sich mit den Erzählungen, Erwartungen und Darstellungen auseinandersetzt, die im Laufe der Jahrhunderte über sie entstanden sind. Darin liegt eine Möglichkeit, die Literatur besitzt und historische Forschung nicht.

Ein Roman darf einer Figur eine Stimme geben.

Er darf Gedanken erfinden, Gespräche gestalten und Perspektiven entwickeln.

Er darf fragen, wie sich eine Situation angefühlt haben könnte.

Aber er sollte nicht behaupten, damit die tatsächlichen Gedanken einer historischen Person wiedergefunden zu haben.

Diese Unterscheidung war uns wichtig.

Denn gerade bei einer Figur wie Maria wäre es ziemlich widersprüchlich, ihr vermeintlich eine eigene Stimme geben zu wollen und anschließend so zu tun, als wüssten wir nun endlich, was sie wirklich gedacht hat.

Das wissen wir nicht.

Wir können nur eine literarische Möglichkeit entwerfen.

Und vielleicht liegt gerade darin der Reiz.

Nicht darin, eine historische Lücke endgültig zu schließen.

Sondern darin, sie sichtbar zu machen.



Wer erzählt am Ende unsere Geschichte?


Ich komme noch einmal auf die Menschen zurück, die in zweitausend Jahren versuchen könnten, unsere Gesellschaft zu verstehen.

Vielleicht werden sie unsere Bücher lesen.

Vielleicht werden sie politische Reden untersuchen.

Vielleicht finden sie private Nachrichten, Fotografien oder digitale Archive.

Und vielleicht werden sie versuchen, aus all diesen Informationen ein Bild davon zu entwickeln, wie wir gelebt haben.

Sie werden dabei auf dieselben grundlegenden Schwierigkeiten stoßen wie wir heute.

Nicht alles wurde dokumentiert.

Nicht alles blieb erhalten.

Nicht jede Perspektive war gleichermaßen sichtbar.

Und nicht jede überlieferte Aussage war zuverlässig.

Sie werden auswählen, vergleichen, einordnen und interpretieren müssen.

Vielleicht werden sie manche unserer Vorstellungen vollkommen falsch verstehen.

Vielleicht werden sie über Dinge staunen, die uns heute selbstverständlich erscheinen.

Und möglicherweise werden sie sich fragen, weshalb wir so viel Zeit damit verbracht haben, über Menschen zu sprechen, deren tatsächliche Lebensumstände wir kaum kannten.


Ich hoffe nur, dass sie bei ihrer Recherche nicht ausschließlich auf unsere Kommentarspalten stoßen.

Das wäre für das Ansehen unserer Zivilisation möglicherweise ungünstig.



Was bleibt von einer Geschichte?


Mit diesem Beitrag endet unsere dreiteilige Reihe zu Das vierte Kamel.


Wir haben mit einer Frau begonnen, die seit ungefähr zweitausend Jahren bekannt ist und über deren persönliches Leben wir erstaunlich wenig wissen. Anschließend haben wir untersucht, weshalb Geschichten durch Wiederholung vertrauter und unter bestimmten Bedingungen glaubwürdiger werden können.

Und jetzt stehen wir vor einer dritten Frage.

Wer hatte überhaupt die Möglichkeit, etwas zu erzählen?

Wer wurde gehört?

Was wurde aufbewahrt?

Und welche Perspektiven fehlen uns heute?

Diese Fragen lassen sich nicht mit einer einzigen Erklärung beantworten.

Aber sie verändern möglicherweise unseren Blick auf Geschichte. Denn Geschichte besteht nicht ausschließlich aus den Menschen, deren Namen wir kennen. Sie besteht auch aus all denjenigen, deren Leben nur wenige Spuren hinterlassen hat. Aus Menschen, die gearbeitet, geliebt, gestritten, gehofft und Entscheidungen getroffen haben, ohne zu wissen, ob sich später jemals jemand für sie interessieren würde. Die meisten von ihnen werden wir nicht mehr kennenlernen. Wir können ihre Gedanken nicht nachträglich befragen. Und wir sollten vorsichtig sein, wenn wir behaupten, genau zu wissen, wie sie gewesen sein müssen.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser drei Beiträge.

Nicht jede Lücke muss gefüllt werden.

Manchmal genügt es zunächst, sie überhaupt zu bemerken.

Denn wenn wir nur auf die Menschen schauen, deren Geschichten besonders ausführlich überliefert wurden, übersehen wir möglicherweise diejenigen, ohne die diese Geschichten gar nicht hätten stattfinden können. Und manchmal ist die Person, über die am wenigsten geschrieben wurde, nicht diejenige, die am wenigsten zu erzählen gehabt hätte. Sondern einfach diejenige, die niemand gefragt hat.



Was das mit „Das vierte Kamel“ zu tun hat


Das vierte Kamel - Marias Bemerkungen zu einer unvollständigen Überlieferung ist ein satirischer Roman, in dem Maria ihre eigene Geschichte und die Vorstellungen betrachtet, die über Jahrhunderte mit ihr verbunden wurden.

Der Roman erhebt keinen Anspruch darauf, die tatsächlichen Gedanken der historischen Maria wiederzugeben.

Er nutzt die Freiheit der Literatur, um eine Frage zu stellen, die sich historisch nicht abschließend beantworten lässt:


Was würde ein Mensch über die Geschichte sagen, die andere über ihn erzählt haben?


Unsere dreiteilige Blogreihe hat diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht.

Im ersten Beitrag ging es darum, was wir über die historische Maria tatsächlich wissen.

Im zweiten darum, wie Erinnerungen und wiederholte Erzählungen unsere Vorstellung von Wahrheit beeinflussen können.

Und im dritten um die Frage, weshalb manche Perspektiven erhalten bleiben, während andere beinahe vollständig verschwinden.

jetzt die seo texte


Damit endet unsere Reihe.

Die Fragen dahinter bleiben.



Quellen und weiterführende Literatur


Die folgenden Werke bilden eine wissenschaftliche Grundlage für die Beschäftigung mit historischer Überlieferung, Geschichtsschreibung und bislang wenig beachteten Perspektiven.


Carr, Edward Hallett (1961):What Is History? London: Macmillan.

Ein einflussreiches Werk zur Frage, wie historische Erkenntnis entsteht, welche Rolle die Auswahl und Interpretation von Quellen spielen und weshalb Geschichte nicht einfach mit einer vollständigen Sammlung vergangener Tatsachen gleichgesetzt werden kann.


Bloch, Marc (1949):Apologie pour l’histoire ou Métier d’historien. Paris: Armand Colin.

Grundlegendes Werk zur historischen Methode, zur Quellenkritik und zum Verständnis von Geschichte als wissenschaftlicher Untersuchung menschlicher Gesellschaften.


Thompson, Edward P. (1963):The Making of the English Working Class. London: Victor Gollancz.

Ein wichtiges Werk der Sozialgeschichte, das die Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten von Menschen untersucht, die in traditionellen politischen Geschichtsdarstellungen häufig weniger Aufmerksamkeit erhielten.


Samuel, Raphael (1981):People’s History and Socialist Theory. London: Routledge & Kegan Paul.

Ein Sammelband zur Geschichtsschreibung aus der Perspektive breiter gesellschaftlicher Gruppen und zur Frage, wie historische Forschung über politische Eliten hinaus erweitert werden kann.


Scott, Joan W. (1986):Gender: A Useful Category of Historical Analysis. The American Historical Review, 91(5), 1053–1075.DOI: 10.2307/1864376.

Ein grundlegender wissenschaftlicher Aufsatz zur Bedeutung von Geschlecht als historischer Analysekategorie und zur Untersuchung gesellschaftlicher Machtverhältnisse.


Bagnall, Roger S. (1995):Reading Papyri, Writing Ancient History. London/New York: Routledge.

Einführung in die Verwendung antiker Papyri als historische Quellen und in die Möglichkeiten und Grenzen, aus alltäglichen schriftlichen Zeugnissen Erkenntnisse über antike Gesellschaften zu gewinnen.


Maunder, Chris (Hrsg.) (2019):The Oxford Handbook of Mary. Oxford: Oxford University Press.

Wissenschaftliches Handbuch zur biblischen Überlieferung, theologischen Bedeutung, Geschichte der Marienverehrung und kulturellen Darstellung Marias.


Frühchristliche Primärquellen:

  • Paulus: Brief an die Galater, 4,4.

  • Evangelium nach Markus, 3,31–35 und 6,3.

  • Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1–2.

  • Evangelium nach Lukas, Kapitel 1–2.

  • Protoevangelium des Jakobus, wahrscheinlich Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Diese Texte ermöglichen die Untersuchung unterschiedlicher Phasen der Marienüberlieferung. Dabei ist zwischen frühen religiösen Darstellungen, später entstandenen Traditionen und historisch überprüfbaren Aussagen zu unterscheiden.



Autorin: Fee Pohlmann

Reihe: Was das Buch nicht erzählt. Aber nicht vergessen hat.

Teil: 3 von 3

Zugehöriges Buch: Das vierte Kamel - Marias Bemerkungen zu einer unvollständigen Überlieferung

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen

 

​Fee & Elias

Am Hagelkreuz 8 

41564 Kaarst​​

 

+49 2131 20 19 005

​

hello@fee-elias.com​​

BÜCHER | PODCAST | UND DER REST

KONTAKT

Bis hierhin
gelesen?

DANN KÖNNEN WIR UNS 
JETZT AUCH DUZEN.
 

©2026 Fee & Elias. Alle Rechte vorbehalten.

Logo Fee & Elias
bottom of page